Moosbierbaumer
Dorfblatt'l. Unabhängige Moosbierbaumer Dorfzeitung
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Krieg und FriedenUnter dem Titel „Adolf Hitlers Trasdorfer Waffenkammer“ konnten Sie in den letzten vier Ausgaben unserer Zeitschrift aus den Aufzeichnungen von Siegfried Selle, dem stellv. Dienststellenleiter des Lagers ISABELLA, lesen. Im Anschluss daran lassen wir noch einen Zeitzeugen zu Wort kommen. In den nächsten Folgen befassen wir uns mit den tragischen Ereignissen am Schusterberg. Die Vorfälle beim Einmarsch der Russen in unserer Heimat und jene in der unmittelbaren Nachkriegszeit bilden dann den Schlusspunkt unserer Serie, die wir ab jetzt „Krieg und Frieden“ nennen wollen. Josef Goldberger Folge 5 Im Werk Moosbierbaum stand ein ganzer Zug voll beladen mit Munition und Flugbenzin fertig zur Abfahrt. Zu diesem Zeitpunkt rief schon der „Kuckuck“ aus dem Radio, was damals Fliegeralarm bedeutete. Wie für diesen Fall vorgesehen verließ der Bahnhofsvorstand Karl Greiner (der Vater von Karl Greiner, Sackgasse 41) mit seinen Leuten den Bahnhof, um in Weinzierl in einem Keller Schutz zu suchen. Nur die Schrankenwärterin Maria Brandstetter blieb an ihrem Dienstort. Warum sie nicht mit den anderen mitging, werden wir wohl nie mehr erfahren. Die Verlademannschaft
in der Fabrik wollte den brisanten Zug aber noch unbedingt loswerden,
da sich ein Treffer in diesen wahrscheinlich furchtbar
ausgewirkt hätte. Als der Zug, vom Fabriksgeleise kommend, in den Bahnhof einfuhr, befahl sie dem Lokführer, die Garnitur auf keinen Fall im Bahnhofsbereich abzustellen, denn auch hier wäre ein Treffer katastrophal gewesen. Sie hieß also den Lokführer mit dem Zug weiter Richtung Michelhausen zu fahren und erst anzuhalten, wenn sich die Garnitur entlang des Abhanges zwischen Moosbierbaum und Atzenbrugg (dem sogenannten „Einschnitt“) befände. Wenn an dieser Stelle die Waggons getroffen worden wären, wäre die Druckwelle der Explosion durch den Hang abgehalten worden und das Dorf hätte sicher keinen Schaden genommen. Auch das brennende Flugbenzin hätte zwar Zug und Bahnkörper vernichtet, die Ortschaft wäre auf alle Fälle bestmöglich geschützt.
Frau Brandstetter selbst konnte sich nicht mehr in Sicherheit bringen. Sie versteckte sich im Stellwerk, um wenigstens der Splitterwirkung zu entkommen. An
diesem Tag wurde der Bahnhof schwer beschädigt. An jener Stelle,
wo der Munitions- und Benzinzug gestanden wäre, waren die Geleise
mehrfach getroffen. Die Katastrophe für unser Dorf wäre wahrscheinlich
nicht zu vermeiden gewesen. Die Zugsgarnitur wurde nicht getroffen, was allgemein als Wunder angesehen
wurde. Warum machte überhaupt eine Frau Dienst als Schrankenwärterin? Nun, ursprünglich war ihr Mann der Schrankenwärter. Als Josef („Lenz“) Brandstetter an die Front beordert wurde, übernahm einfach seine Frau diese Tätigkeit. Maria Brandstetter wurde am 10. April 1920 im Burgenland geboren. Sie und auch ihr Mann haben den Krieg mit all seinem Grauen überlebt und hatten in Moosbierbaum, Haus Nr. 16, ihre bescheidene Heimstätte. Sie verstarb am 1. Dezember 1976 und wurde neben ihrem Gatten am Friedhof in Heiligeneich begraben. (Nach Zeitzeugenberichten nacherzählt von J. Goldberger)
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