Moosbierbaumer Dorfblatt'l. Unabhängige Moosbierbaumer Dorfzeitung
Jahrgang 4• Ausgabe 11• September 2002
 

NATURDENKMAL ALTE PERSCHLING

(nach einem Gutachten des Amtssachverständigen für Naturschutz der Bezirkshauptmannschaft Tulln, 1991)

Die Umweltanwaltschaft des Landes Niederösterreich hat mit Schreiben vom 18. Juni 1990 bei der Bezirkshauptmannschaft Tulln und St. Pölten beantragt, die alte Perschling von Langmannersdorf bis Atzenbrugg zum Naturdenkmal zu erklären und dies entsprechend begründet. Die Anregung hinzu kommt aus der Bevölkerung der Anrainergemeinden und wurde mit einer Liste mit 145 Unterschriften entsprechend untermauert.

Das zur Begutachtung stehende Teilstück der „Alten Perschling" beginnt in Langmannersdorf, wo der alte Flußlauf von dem in den Jahren 1922 bis 1925 errichteten Hochwassergerinne abzweigt. Von hier windet sich dieser in seiner ursprünglichen und jahrhundertealten Form erhaltene Fluß durch das breite, von West nach Ost ausgerichtete Perschlingtal. Während das parallel hierzu verlaufende, geradlinige Hochwasserflussbett von der genannten Abzweigung bis Atzenbrugg ca. 7 km lang ist, beträgt die Länge des alten Gerinnes aufgrund der vielen Mäander und Bögen etwa 11 km.

Das Perschlingtal ist eine lang hingezogene Talwanne mit Wiesenteppichen und Ackerfluren, die südseitig von bewaldeten Hügeln und nordseitig von einem geschlossenen Höhenrücken mit Weingärten und Wald begrenzt wird. Auffällig ist die Höhengleichheit dieser Begrenzungen von ca. 250 m an beiden Seiten. Der „Schusterberg" bei Ebersdorf ist die höchste Erhebung des nördllichen Höhenzuges. Von diesem geschichtsträchtigen Punkt bietet sich ein weiter Ausblick auf die Perschlinglandschaft und das Tullnerfeld.

Die Perschling trennt die Landschaft jedoch nicht nur morphologisch, sondern auch geologisch. Während der nördliche Begrenzungsrücken steile Lösshänge zeigt, gehört die südliche Hügelkette geologisch zu den Ausläufern des Alpenvorlandes (Flyschzone). Analysen von Schotterablagerungen haben auch den Beweis erbracht, daß in der Eiszeit nicht nur die Perschling, sondern auch die Traisen durch dieses Tal floss.

Beiderseits der Flussmulde befinden sich in regelmäßigen Abständen Dörfer, deren Ursprung teilweise bis in das 8. Jahrhundert zurückreicht. Industrieansiedlungen sind hier bis heute keine entstanden. Ab dem Mittelalter wurde die Wasserkraft der Perschling vielseitig genutzt - einige Mühlengebäude sind heute noch vorhanden.

Das Bachbett der alten Perschling hat eine durchschnittliche Breite von 25 m und ist über die gesamte Länge an beiden Ufern mit landschaftstypischen Auwaldgehölzen bestockt. Nahezu alle Weich- und Hartlaubhölzer unserer heimischen Auwälder sind hier vertreten, wie: Schwarzpappel, Silberpappel, Baum- und Strauchweiden, Traubenkirsche, Grau- und Schwarzerle, Birke, Esche, Bergahorn, Stieleiche, Robinie aber auch Wildkirsche und Eisbeere sind zu finden.

Den Unterwuchs bilden roter und gelber Hartriegel, Holunder, Liguster, Spindelstrauch, Heckenkirsche, Weißdorn um nur die wichtigsten zu nennen. Dieser Bewuchs wird von den Eigentümern der angrenzenden Felder etwa alle 25 Jahre als Niederwald genutzt.

Das Wasser selbst wird in diesem Bereich durch keinerlei antropogene Verschmutzung beeinträchtigt, lediglich nach starken Regenfällen werden Fremdstoffe von den angrenzenden Feldern eingeschwemmt, die jedoch aufgrund des relativ guten Sauerstoffgehaltes des Wassers und der Beschattung (niedrige Wassertemperatur) rasch abgebaut werden.

Eine biologische Gewässergütebestimmung brachte Bachflohkrebse, weiße Strudelwürmer, Köcherfliegenlarven und Steinfliegenlarven zutage. Diese zeigen die Güteklasse plus 2 an, was auch das Vorhandensein zahlreicher Bachkrebse beweist.

Die Fischfauna besteht aus Zander, Barben, Forellen, Hechten, Karpfen, Welsen (nur im unteren Bereich dieser Strecke) und der gesamten Palette an Weißfischen. Dieses Gewässer ist somit der Barben-Forellenregion zuzuordnen.

Die trotz des neuen Überlaufgerinnes periodisch auftretenden Hochwässer mit Ausuferungen sorgen durch ihre Dynamik für die Auf­rechterhaltung des bestehenden Ökosystems.

Die alte Perschling mit ihrem völlig naturbelassenen Mäanderverlauf zählt zu den wenigen noch unregulierten und unverbauten Flachlandflüssen Niederösterreichs. Der Fluß ist das prägende Element dieser Landschaft und begründet deren Schönheit und Eigenart. Eine Begradigung dieses Bachbettes würde das Landschaftsbild ins total Negative umkehren und damit den Erholungswert der gesamten Region drastisch vermindern. Der Flusslauf und dessen Uferbewuchs würden ihre Funktion als ökologisches Rückzugsgebiet verlieren und damit eine Verarmung von Fauna und Flora eintreten. Der jetzige harmonische Mäanderlauf tritt durch das Ufergehölz besonders auffällig hervor und bildet einen strengen Kontrast zu dem parallel hiezu verlaufenden Hochwassergerinne.

Natur auf der einen Seite, konsequente geometrische Linienführung auf der anderen. Deutlicher wird die Notwendigkeit des Natur- und Landschaftsschutzes selten demonstriert.

Es wird daher beantragt, die alte Perschling samt ihrem Uferbewuchs von der Abzweigung vom neuen Hochwassergerinne bei Langmannersdorf bis zur „Sappertbrücke" in Atzenbrugg zum Naturdenkmal zu erklären.

Dass eine Unterschutzstellung des Unterlaufes ab Rust bisher nicht erfolgt ist, ist verwunderlich, da wir hier die gleiche Situation vorfinden: einerseits das Hochwassergerinne (vor dem 1. Weltkrieg entlang des Waggrabens nach Pischelsdorf angelegt) und daneben das reich mäandrierte, dicht bewachsene alte Bett, das von Rust über Neusiedl, Pischelsdorf und Langenschönbichl im Geschirrwasser in den Donauauen sein Ziel findet, - also ein im urtümlichen Erhaltungszustand dem Naturdenkmal gleichender Flussabschnitt.

• Eine kurze Geschichte der Zeit

•Atzenbrugger Almanach


• Die schwarze Muttergottes von Tautendorf

Das literarische Podium

° Vor Langer Zeit

° Naturdenkmal Alte Perschling

° Die Obstbaumallee

° Regulierungen

° Die Schlösser

° Sakralbauten

° Wege

° Das Chemiewerk Moosbierbaum-Pischelsdorf

° An der Mündung