Moosbierbaumer
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Kreisgraben MoosbierbaumDas Geheimnis des Kreisgrabens von Moosbierbaum Vergessen Sie Stonehenge! Einer der ältesten Monumentalbauten Europas liegt direkt vor Ihrer Haustüre - in Moosbierbaum, an der Straße nach Trasdorf! Schließlich ist die Gegend rund um Wien Zentrum rätselhafter Kreisgrabenanlagen, und Forscher der Universität Wien sind ihnen mit High-Tech-Methoden auf der Spur. Die weite Landschaft des Tullnerfeldes war bereits in der Steinzeit dicht besiedelt. Schon 2000 Jahre vor Stonehenge und lange vor dem „Ötzi" haben Menschen hier Monumentalbauten errichtet: Von Palisadenbauten umgebene Grabenanlagen mit bis zu 180 Metern Durchmesser, deren Toranlagen nach astronomischen Aspekten angelegt waren. Dass die Hinkelsteine in Südengland heute dennoch die weit bekannteren Zeugnisse prähistorischer Baukunst sind, hat einen einfachen Grund: Ihnen konnten Wind und Wetter kaum etwas anhaben - im Gegensatz zum vergänglichen Holz, aus dem die Kreisgrabenanlagen waren. Im Boden haben ihre Spuren die Jahrtausende aber freilich überdauert. „Mit Hilfe hochauflösender Magnetometersysteme und der Luftbildarchäologie konnten allein in Niederösterreich bis dato 40 dieser geheimnisvollen Monumente entdeckt werden", erzählt Dr. Wolfgang Neugebauer vom Interdisziplinären Forschungsinstitut für Archäologie der Universität Wien (VIAS). Für den Laien sind die Spuren der Kreisgrabenanlagen unsichtbar im Boden verborgen. In frisch gepflügten Äckern oder im Pflanzenwuchs zeichnen sie sich aber durch ihre besondere geometrische Form ab: Das Erdmaterial in der Füllung der Gräben unterscheidet sich vom umgebenden Boden in seiner Farbe und in der Möglichkeit, Wasser zu speichern. Vom Boden lässt sich das nur schwer erkennen, durch die Auswertung von Luftbildern am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien lassen sie sich aber ausmachen. Die Fundstellen können unter Einsatz modernster, an der Zentralanstalt für Metereologie und Geodynamik und VIAS speziell für die Archäologie entwickelter geophysikalischer Methoden und Messgeräte genau erfasst werden. Mit der Methode „Archeo Prospections" lassen sich Bilder von Kreisgrabenanlagen erstellen. Überall, wo Gruben ausgehoben wurden, hat die Erde ein leicht verändertes Magnetfeld - und das ist messbar. Diese magnetischen Aufnahmen werden mit hochsensiblen und sehr genauen Messinstrumenten erstellt. Sie werden mit einem speziell konstruierten unmagnetischen Wagen über das Feld bewegt. Aus diesen Daten erhält man digitale Bilder - quasi ein Röntgenbild der Erde. Für den Archäologen sind sie eine wertvolle Grundlage: Er kann so im Boden verborgene archäologische Strukturen analysieren und sie später gezielt ausgraben.
Die Rätsel, die die vermessenen, aber nur zu einem kleinen Teil ausgegrabenen Monumentalbauten aufgeben, versuchen Forscher nun schon seit über 40 Jahren Stück für Stück zu entschlüsseln. „Bis jetzt wissen wir eigentlich nur, dass es diese Kreisgräben gibt", erzählt Wolfgang Neugebauer. Wer aber waren die Planer und Erbauer dieser monumentalen Anlagen? Wovon haben sie gelebt, und wie haben sie sich ernährt? Womit haben sie diese tiefen Gräben ausgehoben? Wie wurden die Bäume gefällt und transportiert, um diese gigantischen Palisadenzäune zu errichten? Es sind noch sehr viele Fragen offen. Fragen, auf die das VIAS mit Hilfe der Abteilung für experimentelle Archäologie eine Antwort sucht. Durch praktische Experimente sollen Erkenntnisse über das Leben in der Vergangenheit gewonnen werden. Das Experiment setzt dort an, wo die herkömmlichen Methoden der Archäologie nicht mehr greifen und versucht, Handwerkspraktiken, technische Einrichtungen und Arbeitsvorgänge zu erklären.
„Zum Beispiel wurden für die gefundenen steinernen Äxte und Beile hölzerne Griffe rekonstruiert. Mit ihnen dauerte es etwa eine Stunde, einen Baum für die Palisade zu fällen und von Hand in den Graben zu stellen, der mit Geweihhacken, hölzernen Schaufeln und Spaten ausgehoben wurde. Zwanzig kräftige und geübte Arbeiter hätten den Bau in einem halben Jahr geschafft", erzählt Wolfgang Lubisser von VIAS. Das funktioniert, aber hat man es wirklich so getan? Und: Wer hat in dieser Zeit das Vieh gefüttert und die Felder bestellt? Wesentlich dazu beigetragen, dass diese Anlagen überhaupt entdeckt werden, hat unser Bundesheer. Dort hat man auch die entsprechenden Möglichkeiten für die Luftbildaufnahmen und ist auch bereit dafür, archäologische Ziele im Rahmen von Übungsflügen zu dokumentieren. Über 200.000 Aufnahmen, die einen großen Teil Österreichs zeigen, hat man bereits im Luftbildarchiv des Instituts für Ur- und Frühgeschichte in Wien archiviert. Die ältesten davon stammen aus dem Jahre 1935. Bei einem Überflug im Jahr 1992 wurde auch „unsere" Kreisgrabenanlage entdeckt. Sie befindet sich westlich von Moosbierbaum auf einem nach Norden geneigten Hang der untersten Donauterrasse auf 186,5 Meter Seehöhe, ca. 70 Meter südlich der Landesstraße 2212, auf den Ackerparzellen Nr. 937/1 (Muck Leopold und Herta), Nr. 938/1 (Fuchs Franz) und Nr. 938/2 (Marik Eduard und Maria). Die magnetische Prospektion wurde auf den Grundstücken mit den Grundstücksnummern 935, 936, 937/1, 938/1, 938/2, 939/1, 940 und 942 auf einer Fläche von 42.078 m2 gemacht. Die Kreisgrabenanlage weist einen Durchmesser von 69 m auf und dürfte ein Areal von 4.023 m2 umschlossen haben. Die Grabenbreite des äußeren Grabens variiert zwischen 2 und 4 Metern. Der innere Graben hat einen Durchmesser von 49 m, die Grabenbreite variiert zwischen 2,5 und 4,5 Metern. Im Inneren sind zwei mehr oder weniger konzentrisch verlaufende Palisaden erkennbar. Sie verlaufen in einem Abstand von zwei und fünf Metern vom inneren Graben und weisen einen maximalen Durchmesser von 39 und 34 m auf. Die Gräben weisen zwei durchgehende Erdbrücken im Westen und Osten mit geringen Abweichungen von den Himmelsrichtungen auf. Im Bereich der Erdbrücken sind die Grabenenden des inneren Grabens leicht fächerförmig verbreitert. Im Osten deuten vier weitere kurze Grabensegmente einen dritten konzentrischen Graben an, der nie fertiggestellt wurde. Im Inneren der Kreisgrabenanlage lassen sich sechs Gruben feststellen, die teilweise die Grabenanlage überlagern. Ihre Zugehörigkeit zur Kreisgrabenanlage ist unwahrscheinlich. Außerhalb der Anlage sind Grubenkomplexe, Gruben, längliche Gräbchen und Pfostengruben erkennbar, die sich vor allem im oberen Hangbereich südlich der Kreisgrabenanlage häufen. Diese Strukturen sind als Siedlungsreste zu interpretieren. Die Grubenkomplexe weisen meist rechteckige Anordnungen auf und dürften als eingetiefte Bereiche von Gebäuden oder große Entnahmegruben zu interpretieren sein. Südöstlich der Grabenanlage lässt sich ein Ring von einzelnen Pfosten mit einem Durchmesser von ca. 10 Metern erkennen.
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