Moosbierbaumer Dorfblatt'l. Unabhängige Moosbierbaumer Dorfzeitung
Jahrgang 2 • Ausgabe 4 • Mai 2000
 

PIRINBOM
Was in Archiven schlummerte - Moosbierbaum im Zeitenwandel
von GR Pfarrer Richard Jindra

Wenn wir alte Dokumente lesen wollen, begegnen uns mehrere Schwierigkeiten. Wir müssen uns bewusst sein, dass erst im vorigen Jahrhundert das Bemühen um eine einheitliche Rechtschreibung getätigt wurde. Die beiden Brüder Grimm, die uns meist nur als Märchenerzähler bekannt sind, haben dafür große Verdienste erworben.

Eine andere Schwierigkeit ist die deutsche Schrift, die Kurrentschrift. Und große Mühen bedeuten oft die seltsamen Ausdrucksweisen. Ein paar Beispiele habe ich in diese kurze Abhandlung einfließen lassen. Wir finden also in kurrenter Schrift in verschiedenen Urkunden (Urbare, Weistümer - Archiv Klosterneuburg) folgende Schreibweisen für die Ortschaft Moosbierbaum (ein Dorf mit 23. Bauernhäusern):

1146: Pirinbom
1128: Pirboum
1337: Pirbaum
1351: Pirbaum
1365: Pirwem
1367: Pyerbaum
1380: Pirbaum auf dem tulnerfeld
1383: Pirpaum
1421: Nider Pierpawn in Heiligeneicher pharr
1500: Pierbaum
1591: Moßbierbaum

In den Dokumenten der Heiligeneicher Pfarre:

1669: Pierbaum am Wagram
1683: Moßpierbaumb
1789: Moßbierbaum

Im vorigen Jahrhundert hat Schweickhardt in seiner Darstellung des Erzherzogtums Oesterreich unter der Enns, Band 4, V.O.W.W. 1835f Großartiges geleistet. Allerdings schrieb Schweickhardt sehr wenig über Moosbierbaum, während er über die anderen Ortschaften eine ganze Menge wusste.

Er schrieb also: Die Ortschaft Moosbierbaum lebt von Acker- und Weinbau gut, Klee, Obst. Es ist ein mittelmäßiger Grund. Das Flachland leidet unter den Überschwemmungen durch die Perschling. Das Wasser ist gut. Der Name kommt wohl von Bäumen einer Birngattung: Mostbirne. 1835 gab es 43 Häuser mit 43 Familien, davon 97 männlich, 121 weiblich und 26 Schulkinder. Die nächste Poststelle war Perschling, immerhin von Heiligeneich 2 Stunden weit. Die wehrfähigen Männer waren zugeteilt dem 49. Linien- und Infanterieregiment.

An Viehbestand gab es: 30 Pferde, keine Ochsen, 86 Kühe, 114 Schafe und 100 Schweine. Im Vergleich zu den anderen Ortschaften der Pfarre lag Moosbierbaum hinter Trasdorf an zweiter Stelle.

In diesem letzten Teil dieser kurzen Aufzählung möchte ich ein paar Beispiele aus dem Klosterneuburger Archiv bringen, die ich über Moosbierbaum gefunden habe, damit man sich die Formulierungen ein bisschen vorstellen kann:

Aufsandung ist ein Fachausdruck. Er kommt von der Tatsache, dass man nach der Eintragung ins Grundbuch (Herrschaftsbuch) mit Tinte, diese mit Sand festgemacht hat. Es war gleichsam das Löschblatt der heutigen Zeit. Wenn also der Sand darübergestreut wurde, galt diese Eintragung.

13. März 1585: Aufsandung des Stephan Teuschel, Unterthan zu Weinzierl und Barbara, seiner ehelichen Hausfrau über ihr vertauschtes Halblehen zu Pierbaum, um Geld an den Jakob Trapfeln, Mäher zu Azenbruck und Elisabeth seine Hausfrau. (Stephan Teuschel hatte also dem Jakob Trapfeln, einem Mäharbeiter in Atzenbrugg, einen Pacht um Geld verkauft, sodass Trapfeln diesen Pachtgrund bewirtschaften kann).

17. Jahrhundert: Abbrandler 5 zu Moßbierbaum bitten um einige Freyjähre und Bauholz. (5 Familien hatten einen Schaden durch Brand erlitten. Die Herrschaft war verpflichtet, ihnen beim Bauholz zu helfen, bzw. die Steuer zu erlassen, bis sie wieder saniert waren. Allerdings mussten die Geschädigten darum bitten).

1734: Heiligeneich: Der Pfarr Vicarius steigert die Stollgebühren laut Zeugnisse der Moßbierbaumer vom Jahr 1734. (Die Stolgebühren waren die Forderungen bei Taufen, Hochzeiten und Begräbnissen, sowie der Betrag für die heilige Messe. Darüber haben sich die Moosbierbaumer beschwert. Der Verwalter von Atzenbrugg hat für die Moosbierbaumer eine Beschwerde beim Domkapitel in Passau eingereicht. Ich habe jedoch nichts gefunden, wie das Domkapitel darauf reagiert hat).

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